„Die Seite ist halt schon ein bisschen alt.“
Damit fängt fast jedes Website-Projekt an. Was danach passiert, ist bei kleinen Betrieben häufig dasselbe: Es wird eine schönere Seite gebaut, sie geht online, alle sind zufrieden – und drei Monate später kommen weniger Anfragen als vorher.
Wir haben unsere eigene Website vor Kurzem neu gebaut und dabei alle Punkte durchgemacht, die unten stehen. Deshalb ist das hier kein theoretischer Ratgeber, sondern die Liste, die ich mir selbst vorher gewünscht hätte.
Ein Relaunch ist teuer und riskant. Bevor du ihn startest, sollte einer dieser Gründe zutreffen:
Die Seite ist am Handy unbrauchbar. Der häufigste echte Grund. Wenn der Großteil deiner Besucher am Telefon kommt und dort nichts funktioniert, ist alles andere zweitrangig.
Du kannst nichts selbst ändern. Wenn jede Textkorrektur über eine Agentur läuft und drei Wochen dauert, veraltet die Seite zwangsläufig.
Das Angebot stimmt nicht mehr. Wenn dort noch steht, was ihr vor fünf Jahren gemacht habt, kommen Anfragen für Leistungen, die ihr gar nicht mehr anbietet.
Die Seite ist zu langsam. Ladezeiten über ein paar Sekunden kosten Besucher, bevor sie überhaupt gelesen haben.
Kein guter Grund ist dagegen: „Gefällt mir nicht mehr.“ Wenn die Seite funktioniert, Anfragen bringt und pflegbar ist, bringt ein Redesign selten das, was es kostet. Dann sind einzelne Überarbeitungen die bessere Wahl.
Jetzt der wichtigste Teil, den fast alle übersehen.
Wenn sich beim Relaunch Adressen ändern – aus /leistungen.html wird /leistungen/prozessautomatisierung – dann laufen alle alten Adressen ins Leere. Google hat die alten gespeichert, andere Websites verlinken darauf, und in deinen Unterlagen stehen sie auch noch.
Die Lösung sind Weiterleitungen: Jede alte Adresse zeigt dauerhaft auf ihre neue Entsprechung. Technisch nennt sich das 301-Weiterleitung. Wird das vergessen, verliert die Seite genau die Sichtbarkeit, die über Jahre entstanden ist – und niemand merkt es sofort, weil der Einbruch schleichend kommt.
Deshalb gehört vor jeden Relaunch eine Liste aller bestehenden Adressen. Die bekommst du aus der Google Search Console oder der alten Sitemap. Diese Liste ist die Grundlage für den Weiterleitungsplan.
Alle alten Adressen erfasst und jeder eine neue zugeordnet. Wo es keine Entsprechung gibt, leitest du auf die nächstpassende Seite – nicht pauschal auf die Startseite, das wertet Google ab.
Titel und Beschreibungen gepflegt. Jede Seite braucht einen eigenen Seitentitel und eine eigene Beschreibung. Das sind die Zeilen, die in den Suchergebnissen stehen.
Kontaktwege geprüft. Formular abschicken, Telefonnummer antippen, Mailadresse anklicken. Klingt banal – ein Formular, das ins Leere läuft, ist der teuerste Fehler überhaupt, weil er still passiert.
Messung eingerichtet, bevor umgeschaltet wird. Sonst fehlt dir der Vergleich, und du kannst hinterher nicht sagen, ob der Relaunch etwas gebracht hat.
Cookie-Banner und Datenschutz aktuell. Wenn sich das Tracking ändert, muss die Cookie-Erklärung mitziehen.
Impressum und Rechtstexte geprüft. Beim Umbau rutschen gern alte Adressen oder falsche Angaben mit.
Sitemap neu eingereicht. Nach dem Umschalten in der Search Console erneut einreichen, damit Google die neue Struktur schneller findet.
Die ehrliche Antwort lautet: Es hängt davon ab, wie viel Inhalt es gibt und wer ihn schreibt.
Der größte Kostenblock ist selten die Technik. Es sind die Texte. Eine Website mit zehn Seiten braucht zehn durchdachte Texte, und die entstehen nicht nebenbei. Wer hier spart, bekommt eine schöne Seite mit austauschbarem Inhalt.
Realistisch solltest du außerdem einplanen, dass du selbst Zeit investierst – für Entscheidungen, Bilder, Freigaben. Projekte scheitern häufiger an fehlender Zeit beim Kunden als am Budget.
Nach dem Umschalten gehören zwei Dinge in den Kalender.
In den ersten Wochen die Search Console beobachten: Tauchen Fehler auf? Werden Seiten nicht gefunden? Genau dort zeigen sich vergessene Weiterleitungen.
Und dann: die Seite leben lassen. Eine Website, die nach dem Relaunch zwei Jahre unverändert steht, ist danach wieder alt. Regelmäßige Beiträge sind der Unterschied zwischen einer Visitenkarte und etwas, das Anfragen bringt.
Wie lange dauert ein Relaunch?
Für einen überschaubaren Betriebsauftritt realistisch einige Wochen. Der Flaschenhals sind fast immer Texte und Freigaben, nicht der Aufbau.
Verliere ich beim Relaunch meine Google-Platzierungen?
Nur wenn Weiterleitungen fehlen oder Inhalte ersatzlos verschwinden. Mit sauberem Weiterleitungsplan bleibt die Sichtbarkeit erhalten. Kurzfristige Schwankungen in den ersten Wochen sind normal.
Kann ich die alte Seite behalten und nur überarbeiten?
Oft ja – und häufig ist das die wirtschaftlichere Wahl. Wenn Technik und Pflegbarkeit stimmen und nur Aufbau und Texte schwach sind, reicht eine Überarbeitung.
Was ist wichtiger: Aussehen oder Inhalt?
Der Inhalt. Eine schlichte Seite, auf der klar steht, was du machst und wie man dich erreicht, gewinnt gegen eine schicke Seite, bei der man beides suchen muss.
Bevor du in ein Projekt einsteigst, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die bestehende Seite: Was funktioniert, was nicht, und ob ein Umbau überhaupt der richtige Schritt ist. Genau das machen wir in der kostenlosen Prozess-Analyse – und sagen dir auch, wenn sich der Aufwand nicht lohnt.
Mehr dazu: Websites & Landingpages und Tracking & Reporting.
Hinweis: Die Erfahrungen in diesem Beitrag stammen aus unseren eigenen Projekten und dem Relaunch dieser Website. Angaben zu Rechtstexten und Datenschutz sind allgemeine Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung.